Soziale Schuldnerberatung der Diakonie

Die Soziale Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes im Kreis Coesfeld

Die Schuldnerberatung bietet im Kreis Coesfeld Sprechstunden an verschiedenen Orten an.

In Olfen findet eine offene Sprechstunde ohne Voranmeldung an jedem Donnerstag (nicht in den Schulferien) von 9-11 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus, Von-Vincke-Straße 21 statt.

Darüber hinaus können Sie uns auch telefonisch über die Zentrale in Dülmen erreichen. Unter 02594 / 913560 können Fragen gestellt oder Termine außerhalb der offenen Sprechstunden vereinbart werden.

Schuldnerberatung hat für die Ratsuchenden viele positive Effekte:

  • das finanzielle Existenzminimum steht trotz Pfändungen zur Verfügung
  • Ängste werden abgebaut, die psychische Befindlichkeit verbessert
  • die gesundheitliche Situation verbessert sich, Schlafstörungen nehmen ab
  • Wissen und Handlungskompetenzen bezüglich Finanzen nehmen zu
  • die Erwerbssituation wird stabilisiert oder verbessert

Das Konzept Soziale Schuldnerberatung beinhaltet die Existenzsicherung und die Budgetberatung. Wir bieten den Ratsuchenden umfassende Unterstützung bei der Bewältigung ihrer individuellen finanziellen Notlage. Uns ist es wichtig, den Ratsuchenden in vertrauensvoller Atmosphäre die Gelegenheit zu geben, ihr Verhalten in wirtschaftlichen Angelegenheiten zu reflektieren und zu verändern.

Zur Existenzsicherung gehören neben dem Kontopfändungsschutz auch die Sicherung der Energieversorgung bei Energieschulden sowie die Sicherung der Unterkunft bei Mietschulden. Damit tragen wir als Soziale Schuldnerberatungsstelle dazu bei, das verfassungsmäßig garantierte Recht auf ein menschenwürdiges Leben im Einzelfall umzusetzen. Zu einem menschenwürdigen Leben gehören in unserer Gesellschaft eine eigene Unterkunft, die Versorgung mit Wasser, Heizung und Strom sowie die Verfügung über ein Minimum an Barmitteln, um den notwendigen Lebensunterhalt sichern zu können.

Nach der Sicherung des materiellen Existenzminimums ist die Budgetberatung ein wichtiges Element der sozialen Schuldnerberatung. Viele Ratsuchende kommen zu uns, nachdem Ereignisse wie z.B. Arbeitslosigkeit oder Trennung ihr Leben grundlegend verändert haben. Diese Änderungen wirken sich auch auf die materielle Situation der Betroffenen aus, meist steht erheblich weniger Geld zu Verfügung als vorher. Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die Einnahmen und die Ausgaben. Sofern es ein monatliches Defizit gibt, werden mit dem Ratsuchenden die notwendigen Schritte vereinbart: Können die Einnahmen erhöht werden, indem ein Nebenjob aufgenommen oder Sozialleistungsansprüche verwirklicht werden? Können die Ausgaben gesenkt werden, indem überflüssige Abonnements oder Versicherungen gekündigt, günstigere Tarife (Energie, Kommunikation) genutzt oder Ratenzahlungen aus unpfändbarem Einkommen eingestellt werden? Wie kann das Geld eingeteilt werden, damit es bis zum Monatsende reicht?

Ziel ist mindestens, dass das Familien-Budget ausgeglichen ist, um so zu vermeiden, dass neue Rückstände anlaufen und die regelmäßig anfallenden Verpflichtungen, wie Miete, Strom und Heizkosten gezahlt werden. Mögliche Rückstände bei diesen drei Posten müssen daher sofort geregelt und abgebaut werden. Dadurch verhindern wir das Einstellen der Energieversorgung sowie in Einzelfällen auch die Obdachlosigkeit betroffener Personen.

Anschließend beginnt die harte Phase der Umsetzung der vereinbarten Änderungen in den Lebensalltag: Abschied von liebgewonnenen Gewohnheiten und Sicherheiten (Versicherungen), Änderung des Einkaufsverhaltens, Leben mit einem engen finanziellen Korsett.

Zu den positiven Effekten der Budgetberatung gehört, dass die Ratsuchenden wieder einen Überblick über ihre Finanzen gewinnen und das Geld bis zum Monatsende reicht. Die Klärung der Finanzlage und Sicherung des notwendigen Lebensunterhalts tragen zur Entspannung der psychosozialen Situation bei.

Als Soziale Schuldnerberatung führen wir Schuldenregulierungsverfahren nur durch, wenn nach erfolgreicher Arbeit mit dem Haushaltsplan die Ratsuchenden mit ihren monatlichen Einnahmen auskommen. Wir erstellen mit den Ratsuchenden eine Übersicht über die Schulden und ermitteln, ob pfändbares Einkommen oder Vermögen vorhanden ist. Kann eine Rate aus dem unpfändbaren Einkommen gezahlt werden? Stehen finanzielle Mittel aus der Verwandtschaft oder Bekanntschaft zu Verfügung? Wir informieren die Ratsuchenden über mögliche Wege zur Entschuldung und die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen. Wir unterstützen die überschuldeten Menschen bei der Entscheidungsfindung: welcher Weg ist für ihn /sie passend, wenn ihre/seine aktuelle Lebenssituation, aber auch die weitere Perspektive und die individuellen Ziele und Bedürfnisse, berücksichtigt werden? Mit der Entscheidung für einen Entschuldungsweg fühlen sich viele Ratsuchende erleichtert. Sie schöpfen wieder Hoffnung, entwickeln neuen Mut und neue Kräfte, die sie befähigen, ihr Leben wieder mehr in die eigene Hand zu nehmen.

Wir übernehmen die Verhandlungsführung mit den Gläubigern, um die entworfene Entschuldungsstrategie konkret umzusetzen und vertraglich zu vereinbaren. Z.T. sind mehrere Verhandlungsgänge notwendig, um ein für alle Parteien akzeptables Ergebnis zu erzielen. Nach Abschluss der Verhandlungen muss die verschuldete Person die Zahlungen wie vereinbart leisten und ist anschließend schuldenfrei.

Das Insolvenzverfahren ist für viele Ratsuchende, besonders für Bezieher von Sozialleistungen, die einzige Methode, um das Ziel der Entschuldung zu erreichen. Das Insolvenzverfahren ermöglicht den kompletten Schuldenerlass auch, wenn kein pfändbares Einkommen oder Vermögen vorhanden ist und daher keinerlei Zahlungen an die Gläubiger geleistet werden können. Die verschuldete Person benötigt nicht die Zustimmung der Gläubiger und kann sich auch bei einer sehr unübersichtlichen Überschuldungslage entschulden. Voraussetzung für die Einleitung des Insolvenzverfahrens ist die Durchführung eines außergerichtlichen Einigungsversuches mit allen Gläubigern nach strengen gesetzlichen Vorgaben. Bei Bedarf unterstützen wir Menschen zudem im laufenden Insolvenzverfahren bei Schwierigkeiten mit dem Insolvenzverwalter und der Klärung strittiger Fragen.